Wildtier Waisen
Wildtier Waisen 

1. Gestatten - Hörnchen, Grauhörnchen

Das Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) ist das nordamerikanische Gegenstück zum Europäischen Eichhörnchen. Ähnlich wie unser Eichhörnchen hier findet das Grauhörnchen in seiner angestammten Heimat viele Freunde und das niedliche Tier ist ein gernBild mit Grauhörnchengesehener Mitbewohner.

 

Körpermerkmale

Die Felltönung kann zwischen einem hellen Silbergrau und einem sehr dunklen Schwarzgrau variieren. Eine rötliche Färbung kommt gelegentlich vor. Mit einer Kopf-Rumpf-Länge von bis zu 30 Zentimetern und einer Schwanzlänge von 20-23 Zentimetern ist das Grauhörnchen etwas größer als der europäische Verwandte. Es wiegt 400 bis 710 Gramm, also etwa doppelt so viel wie das Europäische Eichhörnchen. An den Haarbüscheln auf den Ohren (die sogennannten Pinsel) ist es nicht vom Europäischen Eichhörnchen zu unterscheiden. Auch an der Fellfärbung unterscheidet es sich nicht zwingend von unserem Europäischen Eichhörnchen, dass auch in sämtlichen Farbschlägen vorkommt.

 

Die Verwechslung mit den vielen Farbschlägen unserer Europäischen Eichhörnchen führt mittlerweile dazu, daß sogar unsere artengeschützten Eichhörnchen bejagt werden.

 

Nahrung und Fortpflanzung

Seine Nahrung besteht aus Sämereien, Nüssen, Knospen/Triebe, Früchte, Eicheln, Bucheckern, Rinde und Insekten. Auch wenn es vorkommen kann, dass Grauhörnchen Vogeleier und kleine Vögel in ihr Nahrungsangebot aufnehmen, sind sie deshalb keine Raubtiere, da sie vorwiegend pflanzliche Nahrung zu sich nehmen.

 

Ein- bis zweimal im Jahr bringt das Grauhörnchen-Weibchen jeweils bis zu 7 Junge zur Welt, von denen meistens nur 2-3 überleben. Von einer stärkeren Vermehrung als derjenigen von Eichhörnchen kann man nicht sprechen, denn diese können bis zu 3 Würfe im Jahr, mit bis zu 6 Jungen bekommen.

 

Lebensraum

Eigentlich ist das Grauhörnchen östlich der Rocky Mountains daheim, wo es in vielen Landesteilen die Wälder besiedelt. Es ist aber auch in Parks und Hausgärten zu finden, und erobert sogar kleine Grünflächen im Stadtgebiet.

 

Feinde

Je nachdem in welchem Land die Grauhörnchen leben, haben sie andere Feinde zu fürchten. Dazu zählen Tiere, die ihre Beute in Bäumen jagen (z.B. Baummarder, Raubvögel und Krähen). Mancherorts zählt auch der Mensch zu den Feinden der Grauhörnchen, der sie bejagt und (ohne Schonzeit) säugende Mütter tötet, so dass deren Nachwuchs dann qualvoll verhungern muß!

2. Neozoen - Neutier

Ende des 19. Jahrhunderts sind Grauhörnchen aus Amerika nach England gebracht worden und haben sich dort erfolgreich als Neozoen etabliert.


Als Neozoen (Einzahl: Neozoon Mehrzahl: Neozoa eingedeutscht Neozoen aus dem Griechischen mit der Bedeutung "Neutier") bezeichnet man Tierarten, die vom Menschen in andere Gebiete verbracht worden sind und sich dort fest etabliert haben. Als Daumenregel gilt die 'Zehnerregel'. Von 100 eingeschleppten Arten schaffen 10 Arten die Etablierung, von diesen besitzt 1 Art ein Gefährdungspotential.


In Kontinentaleuropa sieht man das Phänomen im übrigen meist wesentlich gelassener, einige Experten sehen in der Neuansiedlung von Neozoen sogar eine positive Bereicherung der Fauna.

3. Grauhörnchen auf den britischen Inseln

Das Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) war ursprünglich nur in Nordamerika beheimatet. Ende des 19. Jahrhunderts wurde es in England, Irland und Südafrika eingeführt. Extrem vermehrten sie sich allerdings nur in England. Gleichzeitig ging die Population der Eichhörnchen zurück, so dass man in England einen Zusammenhang zwischen der Grauhörnchen-Vermehrung und dem Eichhörnchen-Rückgang sah. Entsprechend wurden (und werden) Maßnahmen ergriffen, um die Grauhörnchen-Population zu reduzieren, weil man sich hier wieder eine Vermehrung der Eichhörnchen erhofft.


Verdrängung der Europäischen Eichhörnchen

Der Rückgang des Eichhörnchens hat aber vermutlich andere Gründe. Als gesichert gilt, dass in England bis 1926hunderttausende Eichhörnchen geschossen und dafür sogar Prämien gezahlt wurden. Ein weiterer Grund wäre der Eingriff des Menschen in die englische Forst-Kultur. Dazu zählte unter anderem das Einführen nicht-heimischer Baumarten in der Baumwirtschaft. Großbritannien gehört zur atlantischen Region der Laub- u. Mischwaldgebiete. Allerdings wurden die einst dichten Wälder seit der Industrialisierung so weit zurückgedrängt, dass sie heute nur noch einen Anteil von acht Prozent der gesamten Fauna ausmachen. Bild mit GrauhörnchenMischwald mit altem Baumbestand u.a. aus Buchen, Fichten, Kiefern, Nußbäumen und deren Sämereien bieten aber die Grundnahrung der Europäischen Eichhörnchen und würden auch sichere Baumhöhlen für den Nachwuchs aufweisen. Seit 1920 wurden von den Engländern allerdings die nicht heimischen Sitka Fichten gepflanzt, die heute ein Viertel des Waldbestandes ausmachen. Für Eichhörnchen sind die Früchte der Sitka Fichten keine geeignete Nahrung! Die Grauhörnchen sind im Gegensatz zu den Eichhörnchen nicht so stark davon betroffen, denn ein Vorteil den die Grauhörnchen gegenüber den Eichhörnchen haben ist, daß sie bestimmte Nahrung besser vertragen (z.B. die gerbsäurehaltigen Eicheln).


Keine Gefahr für Europa

Die Ursache für die starke Vermehrung der Grauhörnchen liegt vermutlich auch in der ganzjährigen Fütterung der Vögel (und somit auch der Grauhörnchen). Eine weitere Ursache könnte eine veränderte Artenvielfalt bzw. das Fehlen natürlicher Feinde sein. In England wurden z.B. die Habichte extrem bejagt und in der Vergangenheit sogar ausgerottet und mussten erst wieder 1965 angesiedelt werden.

4. Niedermachen von Grauhörnchen

In vielen Gebieten Englands versuchte man die Zahl der Grauhörnchen zu verringern. Meist wurden und werden die Tiere in Lebendfallen gefangen um dann grausam erschlagen, erschossen oder vergiftet zu werden. Belohnungen für erlegte Grauhörnchen führen zu einem noch gesteigerten Gemetzel- aber nicht zum Erfolg. Bei der Tötung der Grauhörnchen-Mütter (ohne Schonzeit) wird leider nicht erwähnt, dass ihre Jungen nach tagelangem Todeskampf qualvoll in den Nestern verhungern. Größere Jungtiere suchen vereinzelt Hilfe beim Menschen, indem sie sich diesem nähern. Eine totale Ausrottung der Grauhörnchen in England wiederum könnte sogar bewirken, daß bei künftiger Erhöhung des Habichtbestandes die Anzahl der Europäischen Eichhörnchen weiter sinkt. Vorhandene Grauhörnchen, die auch noch zutraulicher sind, wären ebenso Beute der Habichte. Habichte würden u.a. schwache, kranke Tiere töten, die somit eine Verbreitung des Parapoxvirus auch in England reduzieren könnten.


Parapoxvirus

Dieses Virus kann beim Eichhörnchen eine gefährliche generalisierte Erkrankung hervorrufen, während es beim nicht einheimischen Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) eine chronisch persistierende Infektion, jedoch keine Erkrankung hervorruft. Das Virus wird durch Tröpfcheninfektion übertragen und manifestiert sich in einer erythematösen, nässenden Dermatitis mit einzelnen, ulzerierenden und blutigen Hautläsionen; Eine Sepsis oder eine erhebliche Schwächung kann beim Tier zum Tod führen. Die Aussage, daß das Parapoxvirus das robustere Grauhörnchen nicht tötet, aber das Eichhörnchen, mag zwar richtig sein, aber auch ohne Grauhörnchen können Eichhörnchen an diesem, meist tödlichen Virus erkranken und andere Eichhörnchen infizieren. Vor allem im Jahr 2013 gab es viele Todesopfer in Bayern bei den Europäischen Eichhörnchen in Auffangstationen, mit dem Verdacht des Parapox-Virus. Diese Tiere kamen nie mit einem Grauhörnchen in Berührung. Die Symphtome, Verkrustungen im Gesichtsbereich und an den Pfoten und vereinzelt an den Augen waren die selben wie die des Parapoxvirus. Nicht ausgeschlossen ist, daß sogar unsere europäischen Eichhörnchen den eingewanderten Grauhörnchen in England den Virus übertrugen. In Regionen in Italien wurden bei Grauhörnchen Blutproben genommen mit dem Ergebnis, daß es Gruppen gibt, die keine Virusüberträger sind. Oft wird das Parapoxvirus als Hauptbedrohung für das Europäische Eichhörnchen dargestellt, obwohl es unzählige Krankheiten und Gründe gibt, die das Europäische Eichhörnchen auffallend häufig auch hier in Deutschland tötet. Mittlerweile bekannt ist, daß Eichhörnchen längst nicht so robust sind wie angenommen und viele, oft tödlich endende Krankheiten, wie u.a. Schnupfen und Lungenentzündung haben. Ekto-und Endoparasiten, vorallem aber Kokzidien führen vermehrt zu Todesfällen.


Grauhörnchen auf dem europäischem Festland

Die Panikmache, daß das Grauhörnchen sich in Italien oder gar in der Schweiz ähnlich wie in England verbreiten würde, hat sich als unbegründet erwiesen. Ebenso, dass es sich auf dem Weg über die Alpen in Deutschland ausbreiten könnte. Nachdem von Grauhörnchen in ihrer Heimat (Nord-Amerika) erwiesenermaßen keinerlei Gefährdung für andere Hörnchen-Arten oder gar den Forst besteht, erscheint es als unwahrscheinlich, dass Grauhörnchen jemals in Deutschland zu einem Problem werden könnten.


Vorab sei es ganz unmissverständlich gesagt: "In Deutschland gibt es keine Grauhörnchen!".

Immer wieder bekommen wir Meldungen, dass Grauhörnchen gesichtet worden sind. Nein, es sind keine Grauhörnchen, sondern Europäische Eichhörnchen mit grauer Fellfärbung (siehe auch Körperbau und Sinne). Auch wenn es immer wieder falsch widergegeben wird: Es gibt keine Eichhörnchen-Art, die man korrekterweise als "Rotes Eichhörnchen" bezeichnen dürfte. Dieses Missverständnis entstand, da vorwiegend in Norddeutschland und England, sich der rote Farbschlag durchgesetzt hat. Grund hierfür ist, dass die dort heimischen Bäumen dieser Fellfarbe eine bessere Tarnung bieten. Wogegen in Süddeutschland die anderen Farbschläge eine bessere Tarnung finden. Gegen die Arten-Bezeichnung "das Rote Eichhörnchen" spricht auch, dass in Süddeutschland in einem Wurf häufig rote, braune und schwarze Eichhörnchen zu finden sind (selten auch graue Eichhörnchen).


1948 fand ein italienischer Privatier während einer Englandreise Gefallen an den Grauhörnchen und setzte ein Päärchen im Park seiner Villa, südlich von Turin, aus. Eine fatale Idee, wie sich bald herausstellen sollte, denn damit war das Grauhörnchen nach Italien gelangt und verbreitete sich dort in vereinzelten Gebieten.

5. Grauhörnchen unter falschem Verdacht!


Die Situation in England ist unbestreitbar schwierig, solange kein natürliches Gleichgewicht vorhanden ist. Dies herzustellen sollte wichtiger sein, als brutales Töten von Tiermüttern. In stimmender Natur gibt es auch Raubtiere, die für einen Ausgleich sorgen. Auch wenn dabei Jungtiere getötet werden, geschieht dies in der Regel schnell und ein tagelanger Todeskampf durch Verhungern und Verdursten scheidet aus.


Die Lösung des Problems in England wären evtl. auch Verhütungsmittel für Grauhörnchen. Die Briten haben ein Hörnchenprogramm beschlossen, bei dem versucht werden soll, die Vermehrung der amerikanischen Hörnchen durch Ausstreuung spezieller Verhütungsdrogen zu verlangsamen und einzudämmen. Allerdings - wie sollte es auch anders sein - gibt es auch hier wieder einmal Stimmen, die von zu hohen Kosten sprechen und lieber die billige, wenn auch moralisch und ethisch verwerfliche Mord-Variante bevorzugen.


Grauhörnchen TV-Bericht

Das schweizer Fernsehen hat einen sehr ausführlichen Bericht zum Thema Grauhörnchen im Angebot, der deutlich aufzeigt, dass die Panikmache bzgl. des Grauhörnchens nicht angebracht ist.


Versteckte Kamera für Grauhörnchen

Bei UStream finden sich Live-Aufnahmen von einem Grau-Hörnchen-Nest.. Dort kann man ein "Graues" aus allernächster Nähe bewundern. Eine nette Idee.

Unsere Arbeit wurde 2014 mit dem Bayerischen Tierschutzpreis der Staatsregierung ausgezeichnet.

Auf diesen Bildern sehen sie nur einen kleinen Teil unserer Schützlinge.

Feldhasenbaby
Eichhörnchen Kinder
junge Igel
junge Wildkaninchen
Siebenschläfer Jungtier
Eichhörnchen Kinder
Eichhörnchen kuscheln
Rehkitze